Ordnungsethik als normative Tiefenstruktur wirksamer Compliance-Systeme
Institutionelle Rahmensetzung zwischen Anreiz, Regelbindung und digitaler Implementierbarkeit
Compliance-Systeme werden häufig entweder moralisch individualisiert oder regulatorisch formalisiert interpretiert. Der vorliegende Beitrag entwickelt eine ordnungsethische Perspektive auf Compliance als institutionelle Ordnungsaufgabe. Aufbauend auf den Grundlegungen von Homann sowie der ordnungsethischen Weiterentwicklung durch Lütge, Pies und anderen wird argumentiert, dass die Stabilität normkonformen Verhaltens nicht primär von individuellen Tugenden, sondern von anreizkompatiblen Rahmenordnungen abhängt. Risk- und Fraud-Management erscheinen damit als spezielle Anwendungen ordnungsethischer Institutionengestaltung. Ergänzend wird gezeigt, dass aktuelle Entwicklungen formaler Compliance-Methoden und digitaler Entscheidungsunterstützungssysteme eine neue Implementierungsdimension ordnungsethischer Normen eröffnen. Ordnungsethik wird so als Brücke zwischen normativer Theorie, Governance-Strukturen und technischer Umsetzbarkeit rekonstruiert.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1867-8394.2026.03.04 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1867-8394 |
| Ausgabe / Jahr: | 3 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-06-01 |